Renaissance in Le Temps

In ihrer Ausgabe vom 7. Dezember veröffentlichte Le Temps ein Interview mit Christian Waldvogel, Managing Partner von Renaissance, um das zunehmende Interesse von Pensionskassen an Investitionen in Schweizer KMU zu thematisieren.

Wie gelingt es Renaissance, Pensionskassen davon zu überzeugen, in KMU zu investieren? Welche Vorteile bietet eine Investition in nicht börsenkotierte KMU? Dies sind einige der Fragen, auf die er eingeht, und er nimmt dabei insbesondere Bezug auf die letzte Kapitalerhöhung der Stiftung.

Le Temps: Wie geht es der Renaissance Anlagestiftung?
Christian Waldvogel: Wir hatten in zweierlei Hinsicht ein gutes Jahr. Erstens stieg der Umsatz unserer Beteiligungen im Jahr 2024 um 10 %. Die Performance der einzelnen Unternehmen war jedoch heterogener als in den Vorjahren. Die in den Bereichen Energie und Textilien tätigen KMU entwickelten sich sehr gut, während die in der Industrie tätigen Unternehmen stärker litten. Zweitens gelang es uns, 125 Millionen Franken von Pensionskassen zu beschaffen, was deren immer stärkeres Interesse an Investitionen in KMU zeigt. In diesem Jahr traten neue Kassen der Anlagestiftung bei. Diese neue Mittelbeschaffung sichert bis heute 350 Millionen, die für Investitionen in Schweizer KMU zur Verfügung stehen. Mehr als 45 Pensionskassen haben ihr Kapital Renaissance anvertraut. Dazu gehören die Pensionskassen von Waadt, Tessin, Schaffhausen, Glarus und AppenzellAusserrhoden, aber auch Retraites Populaires oder die Schweizer Radio und Fernsehgesellschaft (SRG).

Was haben Sie mit den 125 Millionen vor?
Ein Teil davon wird in unsere 14 Unternehmen investiert, damit sie neben ihrem organischen Wachstum auch Übernahmen tätigen können. Darüber hinaus sollen vier bis fünf neue KMU in das Portfolio von Renaissance aufgenommen werden. Diese Transaktionen könnten in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen werden.

Wie können Sie Pensionskassen davon überzeugen, in KMU zu investieren?
Die Anlagestiftung verfügt über eine mehr als 25-jährige Expertise in diesem Bereich. Auch die Kontinuität unserer Leistungen spricht langfristig für uns. Unser Ansatz, einen offenen Fonds mit einer Dividende zu haben, die jedes Jahr ausgeschüttet wird, führt zu regelmässigen Renditen mit geringer Volatilität. Pensionskassen suchen nach Regelmässigkeit. Das ist für ihre Planung von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus entspricht unser Engagement als nachhaltiger Investor durch Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen ihren Erwartungen.

Welche Vorteile hat es, in nicht börsenkotierte KMU zu investieren?
Es handelt sich um eine ausgezeichnete, langfristig solide Diversifizierungsmöglichkeit. Zudem sind die Kaufpreise im Vergleich zu kleinen börsenkotierten Unternehmen attraktiv. Vor allem aber sind diese Unternehmen leistungsstark und widerstandsfähig. Sie haben eine beeindruckende Fähigkeit, Krisen zu überwinden. Da wir uns in einem Markt befinden, der weniger liquide ist als der Markt für börsenkotierte Aktien, müssen wir im Vergleich zu kleinen börsenkotierten Unternehmen eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen. Unsere Performance ist 3-5% höher als die des SPI Extra, der die Small Caps zusammenfasst. Auf lange Sicht weisen nicht börsenkotierte Schweizer Aktien eine bessere Performance bei geringerer Volatilität auf.

Warum ist Renaissance die einzige Anlagestiftung, die sich der direkten Finanzierung von KMU widmet?
Es gibt zwei wesentliche Eintrittsbarrieren. Zum einen muss man im Schweizer Wirtschaftsgefüge verankert sein, um die KMU zu erreichen und das Vertrauen der Unternehmer zu gewinnen, denn es ist ein schmerzhafter Moment, die Firma an Investoren ausserhalb des Familienkreises zu übergeben. Andererseits braucht man Zeit, um mit einem Nischenprodukt einen institutionellen Kundenstamm aufzubauen. Das ist eine langwierige Aufgabe.

Was sind die grössten Sorgen der KMU in einer Zeit, in der der Franken immer stärker wird?
Der wichtigste Punkt bleibt, die Mitarbeiter zu halten und neue Talente anzuziehen. Über das Gehalt hinaus haben die neuen Generationen hohe Erwartungen an die Arbeitsbedingungen. Was die Wechselkurse betrifft, so war die Frage des Franken 2024 nicht wirklich vorherrschend. Der Euro ist zwar in den letzten Monaten stark gefallen, aber die KMU sind es gewohnt, sich an schwankende Kurse anzupassen. Sollte sich die Bewegung jedoch weiter beschleunigen, würde dies eine schnelle Anpassung der Unternehmen erfordern. Im Moment ist die Situation jedoch nicht mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 vergleichbar. Die sofortige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro um 20 % war ein enormer Schock für die KMU.

Welche weiteren Herausforderungen gibt es für KMU?
Abgesehen von der Beschäftigung ist die Nutzung künstlicher Intelligenz eine riesige Baustelle. Es geht darum, diese Werkzeuge umzuwandeln, um Prozesse zu verbessern und die Effizienz zu steigern. Wir müssen von der akademischen KI zu sehr präzisen Anwendungen übergehen. Ich denke da zum Beispiel an die Optimierung der Angebotsabgabe, die Erkennung der Langlebigkeit von Industriemaschinen oder an Auftragseingänge. Häufig erfolgen diese in verschiedenen Formaten und Sprachen. Ihre Verselbständigung in ein Standardformat könnte es den Unternehmen ermöglichen, Ressourcen für andere Aktivitäten mit höherer Wertschöpfung freizusetzen. Dies ist eine grosse Herausforderung, da KMU in diesem Bereich nicht an der Spitze stehen und ihre Mittel begrenzt sind. Die Kosten für die Implementierung dieser neuen Prozesse müssen überschaubar bleiben und relativ schnell umgesetzt werden.


Artikel verfasst von :
Alexandre Beuchat
Wirtschaftsjournalist
Le Temps


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