KMU, passen Sie auf, dass Sie die KI-Kurve nicht verpassen : Erfahrungsbericht von Heberlein

Dieser Artikel folgt auf ein von der Renaissance Anlagestiftung organisiertes Seminar, das am 13. November 2024 in Bern stattfand und sich mit den grossen Herausforderungen befasste, die Künstliche Intelligenz (KI) für KMU darstellt.

Diese Veranstaltung, an der alle Unternehmen des Renaissance-Portfolios teilnahmen, war der Auslöser für die vorliegende Artikelserie mit konkreten Erfahrungsberichten von KMU, von denen der erste hier vorgestellt wird.

«Wir wollen den Herstellungsprozess unserer Produkte beschleunigen»
Erich Peter, CFO de Heberlein

Heberlein ist ein weltweit führender Hersteller von hochpräzisen keramischen Komponenten für die Textilindustrie. Seine Produkte, die für die Herstellung von synthetischem Garn unerlässlich sind, werden von Maschinenherstellern und Garnproduzenten verwendet.

Erich Peter, CFO de Heberlein

Inwiefern hilft Ihnen Renaissance bei der Einführung von KI-Massnahmen in Ihrem Unternehmen ?
Was zählt, ist die Inspiration – Renaissance inspiriert uns. Indem sie uns vorschlägt, aktiv zu werden. An der Veranstaltung in Bern vernetzt Renaissance uns zudem mit möglichen Partnern und bietet die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre bestehende KI-Lösungen kennenzulernen. Dieses proaktive und motivierende Vorgehen ist ein wertvoller Beitrag, der uns dazu ermutigt, konkrete Massnahmen in unserem Unternehmen zu ergreifen.

Haben Sie bereits Massnahmen ergriffen, bei denen KI zum Einsatz kommt? Oder anders ausgedrückt: Haben Sie Projekte in Verbindung mit KI implementiert ?
Ja, wir haben verschiedene Use-Cases untersucht und teilweise weiterverfolgt. Eine davon betrifft die Erstellung von Montageanleitungen für die von die uns hergestellten Produkte. (siehe Kasten: Wer ist Heberlein ?). Wir haben Vorlagen entwickelt, die die technische Beschreibung für diese Baugruppe in verschiedenen Sprachen enthalten, unterstützt auch durch Bilder. Diese Vorlagen filtern potenzielle Fehler heraus. Am Ende waren wir von der Genauigkeit dieser Vorlagen positiv überrascht.

Hat Heberlein mithilfe von KI seine Rentabilität verbessert oder seinen Herstellungsprozess beschleunigt? Was haben Sie erreicht ?
Bisher handelt es sich bei der Initiative im Wesentlichen um einen Test. Es braucht längere Anstrengungen, bis solche Anwendungen im Herstellungsprozess auf breiter Linie angewendet werden können. Wichtig ist, sich damit zu befassen und nicht locker zu lassen. Heberlein geht davon aus, dass sich mit steigender Routine im Umgang mit KI herauskristallisiert, wo das Potential liegt. Wenn dieses bekannt ist, kann KI zu einer verbesserten Rentabilität beitragen.

© Stéphane Schmutz / STEMUTZ.COM

Haben Sie bereits eine bezifferte Einschätzung Ihrer potenziellen Rentabilität vorgenommen ?
Der Futurologe Lars Thomsen nannte bei seiner Rede hier in Bern die Zahl von 14%. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob diese Grössenordnung realistisch ist. Wenn sie zutrifft, wird KI die Welt nachhaltig verändern.

Welche weiteren Projekte im Bereich KI können Sie nennen ?
Wir möchten nicht alle unseren guten Ideen verraten (lacht). Aber ein grosses Potential besteht in der Auswertung und Bearbeitung unseres Datenschatzes. Unser Textillabor wertet Daten zu bestehenden Düsen aus. Diese Daten ermöglichen es, für spezifische Kundenbedürfnisse genau die richtige Düse zu finden – was gar nicht so einfach ist. Zudem ist es denkbar, in fernerer Zukunft anhand der Daten in kürzerer Zeit massgeschneiderte Düsen zu entwickeln. KI wird uns helfen, in dieser unübersichtlichen Welt Ordnung und Struktur zu schaffen. Allerdings ist es entscheidend, diese KI in einer proprietären Umgebung anzuwenden. Wir möchten vermeiden, dass die KI unsere Geheimnisse an die Kopierer unserer Düsen verrät !

Haben Sie auch ein KI-Projekt auf der Ebene der Heberlein-Strategie, das Sie implementieren möchten, um Marktanteile im Vergleich zur Konkurrenz zu gewinnen ?
Das wird wahrscheinlich strategisch schwierig werden – unser Verwaltungsrat schlägt in dieser Hinsicht die KI. Es gibt jedoch einen anderen Bereich, in dem ich persönlich ein grosses Potenzial sehe, nämlich die Beschleunigung und Vereinfachung der Entwicklung. Hier scheinen mir die Chancen real zu sein.

Können Sie das näher erläutern ?
KI kann uns helfen, die Entwicklungszeit zu reduzieren. Konkret geht es darum, ausgehend von einer Basisdüse eine ganze Düsenfamilie zu entwickeln. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich z.B. in der Anzahl Fäden, dem Titer (Fadendicke) und so weiter. Diese Multiplikation der Basisdüse ist für einen Konstrukteur hauptsächlich Handwerk. Künftig soll er die KI damit beauftragen und den Prozess überwachen.

Wann werden Sie für diesen neuen Schritt bereit sein ?
Es handelt sich nicht um einen einzelnen Schritt, sondern um eine Reise aus vielen Schritten. Die ersten Schritte haben wir bereits getan.

Wenn Sie nach KI-Beratung suchen, welche Quellen erschliessen Sie ?
Wenn wir KI-Beratung benötigen, erschliessen wir verschiedene Quellen. Dank Renaissance haben wir die Kontaktdaten von Swisscom bei der Veranstaltung in Bern erhalten, was uns geholfen hat, nützliche Kontakte zu knüpfen. Manchmal spielt aber auch der Zufall eine Rolle! Vor einem Monat übernachtete ich bei einer Wanderung auf den Säntis in einer Hütte und traf dort einen Universitätsprofessor, der sich auf die Entwicklung von KI spezialisiert hatte. Eine zufällige Begegnung, die zu einem bereichernden Austausch geführt hat.


Wer ist Heberlein ?

Heberlein mit Sitz in Wattwil (SG) hat sich als einer der weltweit führenden Anbieter von keramischen Komponenten etabliert, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Anwendungen in der Textilmaschinenindustrie. Heberlein entwickelt und produziert hochpräzise Keramikkomponenten, die als Baugruppen verkauft werden und eine entscheidende Rolle in der gesamten Wertschöpfungskette der Synthesegarnproduktion spielen. Zu seinen Kunden zählen Textilmaschinenhersteller wie Oerlikon Barmag sowie Garnproduzenten wie Hengyi in China. Im Herbst 2023 kaufte Renaissance in Zusammenarbeit mit dem Management und dem Verwaltungsratspräsidenten sämtliche Aktien von einem chinesischen Konzern auf.

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