«Die Stimmen der Lernenden» | Ladina und Philipp bei Heberlein Technology AG

Die Berufsausbildung spielt eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung des industriellen Know-hows in der Schweiz. In dieser Artikelserie mit dem Titel «Stimmen der Lernenden» gibt Renaissance den Lernenden, die in verschiedenen Unternehmen ihres Portfolios ausgebildet werden, das Wort. Die Berichte geben Aufschluss über ihren Werdegang, ihre Wünsche und die Art und Weise, wie die KMU sie bei ihrer Ausbildung unterstützen.

Für diesen dritten Teil besuchte Renaissance die Heberlein Technology AG, ein 1835 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Wattwil (SG), das weltweit für seine Erfahrung in keramischen Komponenten für die Textilindustrie bekannt ist. Heberlein verfügt über jahrzehntelange Erfahrung und legt grossen Wert darauf, sein Know-how an künftige Generationen weiterzugeben, indem es ein strukturiertes und anspruchsvolles Lernumfeld bietet.

In diesen beiden Interviews teilen Ladina Alpiger und Philipp Brägger, zwei Lernende mit unterschiedlichen Hintergründen, ihre Erfahrungen, Herausforderungen und ihre Sicht auf die Ausbildung im Unternehmen.

Ladina Alpiger, Lernende Polymechanikerin

Mit 19 Jahren absolviert Ladina Alpiger eine Lehre als Polymechanikerin und bereitet sich gleichzeitig auf die Berufsmaturität vor. Sie ist begeistert von der handwerklichen Arbeit und den vielfältigen Aufgaben, die ihr Beruf bietet. Besonders gefällt ihr, das konkrete Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen und mit verschiedenen Maschinen zu hantieren.

Was hat dich an dieser Lehre und am industriellen Bereich gereizt?
Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht in einem Büro arbeiten, sondern eine handwerkliche Tätigkeit ausüben wollte. Mir gefällt es, morgens mit nichts zu beginnen und dann den Tag mit einem Gegenstand in den Händen, z. B. aus Metall, zu beenden. So sehe ich das Ergebnis dessen, was ich gemacht habe.

Warum hast du dich speziell für dieses Unternehmen entschieden? Kanntest du sie schon, bevor du dort gearbeitet hast?
Bevor ich bei Heberlein angefangen habe, kannte ich diese Firma nicht. Die Mitarbeiter hier sind sehr freundlich und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und Heberlein legt grossen Wert auf Lernende.

Welche Werte oder Aspekte des Unternehmens motivieren dich am meisten?
In meiner Abteilung habe ich nicht viel mit anderen Menschen zu tun, ausser mit meinem Chef. Trotzdem spüre ich den Teamgeist stark. Zwar arbeitet jeder an seiner Maschine, aber wenn jemand Hilfe braucht, ist der Solidaritätsgeist des Teams immer da. Die Unternehmenskultur ist gut.

Kannst du einen typischen Tag oder eine typische Woche für dich beschreiben?
Ich fange gegen 7-8 Uhr an, schalte meine Maschinen ein und kontrolliere dann entweder die Teile, die wir hergestellt haben, oder ich programmiere die Teile, die wir herstellen müssen. Wenn ein Teil fertig programmiert ist, stelle ich es auf der Maschine her und mache allfällige Optimierungen, bis es einwandfrei funktioniert. In letzter Zeit wurden mir Projekte anvertraut, die ich selbständig durchführen konnte.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten und warum?
Aktuell absolviere ich die praktische Abschlussprüfung, für die ich ein komplexes Set von Werkstücken fertige, auf das ich einen gewissen Stolz empfinde. Natürlich gibt es auch ein wenig Routine, auch wenn die Stücke, die wir herstellen, jedes Mal ein wenig anders sind. Im Juni werde ich meine theoretische Abschlussprüfung ablegen und im Juli werde ich mein Diplom erhalten.

Wie fühlst du dich in der Firma? War es leicht für dich, dich zu integrieren?
Mein Beruf ist sehr männerdominiert. In der Berufsschulklasse bin ich die einzige Frau, aber das hat mich nicht benachteiligt. Persönlich habe ich vier Brüder, also habe ich in dieser Hinsicht keine Probleme. In den Teams bei Heberlein, wie auch in der Berufsschule, werde ich sehr ernst genommen.

Wie empfindest du die Unterstützung der Lernenden bei Heberlein?
Heberlein macht einen sehr guten Job mit den Lernenden. Ich bekomme ein gutes Gehalt und habe sehr gute Rahmenbedingungen, was nicht selbstverständlich ist. Ein weiteres Beispiel ist, dass ich die Möglichkeit habe, in der Berufsschule einen Zusatzkurs zu belegen, der nicht direkt mit meiner Ausbildung zusammenhängt, bei dem alle Kosten vom Unternehmen übernommen werden.

Ist im Arbeitsumfeld die Frage der Umwelt für dich wichtig?
In der Industrie, in der ich tätig bin, ist es nicht ganz einfach, weil unsere Maschinen viel Energie benötigen. Aber ich weiss, dass wir eine Solaranlage auf dem Dach haben und keine Klimaanlage, auch wenn es im Sommer manchmal etwas heiss ist. Ausserdem achten wir auf eine strenge Trennung bei den Metallabfällen.

 

Philipp Brägger, Lernender Konstrukteur

Der 16-jährige Philipp Brägger hat sich für eine Lehre als Konstrukteur bei der Heberlein entschieden und sich auch für den Besuch der Berufsmatura eingesetzt. Da er sich für computergestütztes Design und die Entwicklung neuer mechanischer Teile begeistert, blüht er in einem Umfeld auf, in dem er Theorie und Praxis miteinander verbinden kann. Sein Werdegang ist geprägt von einer grossen technischen Neugier und einem Interesse am Maschinenbau.

Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?
Ich wollte in einem Büro tätig sein, denn handwerklich bin ich nicht besonders begabt. Ich habe mich für den Industriesektor entschieden, weil mich der Bau von Maschinen und ihre Struktur sehr interessieren. Das habe ich beim Basteln an Mopeds gemerkt.

Warum hast du dich speziell für dieses Unternehmen entschieden? Kanntest du sie schon, bevor du dort gearbeitet hast?
Ich habe Heberlein über das Lehrstellenforum entdeckt und bin dann vor Ort gewesen, um zu sehen, ob mir der Beruf und das Unternehmen gefällt. Danach hat mich das Team sehr gut aufgenommen und ich habe es genossen, dass ich abwechslungsreiche Tätigkeiten hatte, ohne den ganzen Tag vor einem Bildschirm zu verbringen.

Kannst du einen typischen Tag für dich beschreiben?
Ich komme früh am Morgen an und schalte das Computer Aided Design (CAD) ein. Regelmässig am Vormittag hole ich Teile aus dem 3D-Drucker. Nachmittags gehe ich in den Raum, in dem die Prototypen getestet werden. Das ist meine Arbeitszeit von Montag bis Mittwoch. Donnerstags und freitags bin ich in der Schule.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?
Im Allgemeinen schätze ich die Vielseitigkeit meiner Arbeit. Mir gefällt zum Beispiel, dass ich mit Luftdruck die gefertigten Teile testen oder neue entwickeln kann. Ich bin sehr zufrieden, wenn ich feststelle, dass die produzierten Teile, die ich entworfen habe, funktionieren. Das ist ein angenehmer Moment.

Haben KI oder andere Technologien bereits einen Einfluss auf dein Lernen?
Ich benutze KI bei meiner Arbeit, insbesondere ChatGPT, vor allem wenn ich Probleme mit den Programmen auf dem PC habe. Das funktioniert sehr gut. Dasselbe gilt auch für die Schule.

Ist im Arbeitsumfeld das Thema Umwelt für dich wichtig?
In meiner Abteilung verwenden wir Kunstharz für den 3D-Druck, mit dem wir bei der Reinigung besonders vorsichtig sein müssen, da es sich bei Kontakt mit Wasser als sehr umweltschädlich erweist. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht zu viel drucken.

Welchen Rat würdest du einem Jugendlichen geben, der sich für eine Lehre interessiert?
Denjenigen, die sich nicht sicher sind, ob sie eine Lehre machen sollen, würde ich empfehlen, für ein oder zwei Tage in einige Betriebe hineinzuschauen, insbesondere in der Polymechanik und im Baugewerbe, da die Kombination aus Büroarbeit und testen von Produkten sehr attraktiv ist.

 

Der Blick des Ausbilders

Die Lernendensausbildung bei Heberlein beruht auf der Vermittlung von Wissen und der Begleitung von jungen Talenten. Die Ausbildung von Lernenden ist eine langfristige Investition, die über die technische Ausbildung hinausgeht. Im Laufe der Jahre entwickeln sich die Lernenden nicht nur in ihrem Fachwissen, sondern auch in ihrer beruflichen Haltung weiter. Einige Jugendliche zeigen ein aussergewöhnliches Potenzial, und das Unternehmen ermutigt sie, auf ihrem Weg weiterzugehen.

« Die Lernenden treten als Jugendliche in das Unternehmen ein und beenden die Berufslehre als Erwachsene. Bei Heberlein lernen sie, sich sehr strukturiert zu organisieren, weil sie komplexe Maschinen und Computerprogramme beherrschen müssen, um anspruchsvolle Aufgaben erfolgreich zu lösen », erklärt Roland Kläger, Ausbilder bei Heberlein.

Im nächsten und letzten Artikel wird Renaissance einen Lernenden der bb trading AG kennenlernen, einem führenden Deutschschweizer Unternehmen im Bereich Werbeprodukte.

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