Durena AG: Ingenieurwesen im Dienste der Energiewende

Die Durena AG mit Sitz in Lenzburg (AG) und einer Zweigniederlassung in Zürich (ZH) ist spezialisiert auf die Planung und Realisierung von Energieanlagen und Fernwärmesystemen sowie auf die Beratung in den Bereichen Dekarbonisierung und Energieeffizienz.
Im 2023 erwarb Renaissance Durena als Mehrheitsaktionärin in Partnerschaft mit dem Management und den Verkäufern. Diese Übernahme sicherte die Nachfolge des Unternehmens, das seit 1990 im Besitz von drei Partnern war.
Ein Interview mit Geschäftsführer Othmar Arnold und Projektleiter Nik Krasnobajew über Potenziale in ihrem Unternehmen und der Energieeffizienzbranche.


Wie hat sich die Durena AG in den letzten Jahren entwickelt – besonders auch in Zusammenhang mit der Energiewende ?
Othmar Arnold : In letzter Zeit gab es einen Riesenpush in unserer Szene: Dank derEnergiewende in den Köpfen und den Energiepreissteigerungen. Seit drei, vier Jahren spüren wir zudem massiv, dass man sich von den internationalen Abhängigkeiten von Erdgas und Erdöl lösen will. Wir konnten unser Personal in den letzten Jahren verdreifachen.
Wer sind heute Ihre wichtigsten Kunden oder Partner ?
O.A. : Wir haben drei Standbeine: Energiezentralen, Fernwärme und Beratungen von Industrie und Gewerbe in Dekarbonisierung und Energieffizienzfragen. Dazu gehören beispielsweise Zulieferer, die Wirkstoffe für internationale Grosskonzerne im Pharmabereich herstellen. Diese haben ihre Roadmap zur Dekarbonisierung bis 2030 oder 2035 und üben einen enormen Druck auf die Vorlieferanten aus,mitzuziehen. Weitere Branchen sind Zement, Metall oder Getränke. Für energieintensive Betriebe lohnt es sich am meisten, an den Stellschrauben für weniger Energie und Kosten zu drehen. Wir arbeiten für sie Dekarbonisierungspläneaus und analysieren, welche Massnahmen die Unternehmen umsetzen können, um den CO₂-Ausstoss zu reduzieren und die Energieeffizienz zu steigern.
Nik Krasnobayev : Aufgrund der Preislage für fossile Energien können solche Unternehmen diese Investitionen innert weniger Jahre abschreiben und ihre Profitabilität erhöhen. Insbesondere KMU, die bisher wenig in Energieeffizienz investiert haben, können recht schnell 10 bis 20 % des Energieverbrauchs einsparen, in Einzelfällen bis zu 30 %.
O. A. : Die Beratung von Energiegrosskonsumenten in Industrie und Gewerbe ist das kleinste unserer Standbeine. Die anderen beiden sind Energiezentralen und Fernwärmenetze. Wir beraten beispielsweise verschiedene Kehrichtverbrennungsanlagen, die aufgrund der gesetzlichen Vorschriften einen Teilder Abwärme nutzen müssen. Gemeinsam entwickeln wir dann Projekte in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht.
Welche Rolle spielt Durena beim beeindruckenden Projekt Technologiezentrum Laufenburg, bei dem durch Wärmerückgewinnung 75 000 Tonnen CO₂eingespart werden können ?
N. K. : Durena wurde mit der Planung einer Energiezentrale und des FW–Netzes für die Altstadt Laufenburg beauftragt. Während des Vorprojekts im Frühling 2024 wurde der Auftrag angepasst, denn es wurde bekannt, dass Flexbase ein Technologiezentrum (TZL) mit KI–Rechenzentrum und einem riesigen Batteriespeicher am Standort von Swissgrid in Laufenburg bauen und die Abwärme der Stadt Laufenburg für ihr Fernwärmenetz zur Verfügung stellen will.
Als Planer wurden wir daher mit der Durchführung einer Machbarkeitsstudie beauftragt, welche die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts bestätigte.
Jetzt sind wir bereits in der Ausschreibungsphase. Im September beginnt der Bau der Verbindungsleitung vom Rechenzentrum zum Zentrum von Laufenburg, um die Altstadt und die Umgebung zu heizen. Das Verlegen der Fernwärmeleitung ist eine Herausforderung, weil jedes einzelne Haus der historischen Altstadt erschlossen werden muss, die auf einen Fels gebaut ist. Das braucht viel Knowhow und Kreativität.
Wie integrieren Sie das Ziel, erneuerbare Energien zu fördern und CO₂-Emissionen zu reduzieren, wenn Sie Ihre Projekte umsetzen ?
O.A. :
In 98 Prozent unserer Projekte geht es um eine CO₂-Reduktion, weil wir uns hauptsächlich mit erneuerbarer Energie, Abwärme und Effizienzsteigerung beschäftigen. Eine Berechnung der CO2-Emissionen mit der konventionellen oder der energieeffizienteren Lösung fliesst immer in unsere Projekte ein.
Die CO₂–Reduktion ist auch erforderlich, wenn man Fördergelder beantragt.
Was sind die wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte von Durena in den nächsten Jahren – auch in Bezug auf die Nachfrage nach Fernwärme und nachhaltigen Energiedienstleistungen ?
O.A. : Wir wollen den schweizweiten Fernwärmeboom ausnützen, der sich noch steigern wird in den nächsten Jahren. In der Stadt Zürich haben wir bereits verschiedene bewilligte Projekte, und demnächst wird die Stadt über einen weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes abstimmen. Da ein einziges Standbein zu anfällig ist, möchten wir uns nicht zu 100 Prozent zu Fernwärmeplanern entwickeln. Aber unseren bereits grossen Marktanteil wollen wir behalten und erweitern.
Weitere spannende Projekte von Ihnen ?
O.A. : Gerade kommt bei den Industriewärmepumpen eine Technologie zur Marktreife, die Wärme auf ein höheres Temperaturniveau über 100 Grad heben kann. Damit ist es möglich, Industrien zu versorgen, die die Prozesswärmeverlangen. Wir möchten früh ein paar Referenzobjekte mit dieser neuen Technologie pushen. Weitere Projekte sehen wir in der Nutzung der gigantischen Wärmepotenziale unserer Schweizer Seen.
Haben Sie Schwierigkeiten, Ingenieure mit Umweltexpertise zu rekrutieren ?
O.A. : Nein, wir haben keine Probleme, fähige Ingenieure zu finden. In den letzten anderthalb Wochen konnten wir gleich vier neue Mitarbeiter einstellen. In der Szenehaben wir einen guten Ruf und das Thema Energieeffizienz ist in aller Munde. Bei einer kürzlich durchgeführten Mitarbeiterbefragung gaben zahlreiche Kollegen an, dass sie vor allem wegen der Sinnhaftigkeit der Arbeit und der Gestaltungsmöglichkeiten bei uns arbeiten und auch bleiben.
Was ist Ihre ganz persönliche Motivation, bei Durena zu arbeiten ?
N.K. : Dass wir die Dekarbonisierung unterstützen, macht einen guten Teil der positiven Energie aus, die ich aus diesem Job hole. Mir gefällt, dass wir als Projektleiter sehr selbstständig arbeiten und uns selber einteilen können. Diese Freiheit ermöglicht es, auch mal kurzfristig kleine Erholungspausen einzuplanen, was der Produktivität zugute kommt.
O.A. : Auf dem Weg zur Arbeit denke ich häufig: «Was habe ich für einen coolen Job!». Unsere Rolle in der Gesellschaft ist, Lösungen möglich zu machen. Wir sind Möglichmacher. Das ist sehr motivierend für mich. Im Unternehmen spüren wir auch einen gesellschaftlichen Druck zu nachhaltigen Energien. Kürzlich hörte ich von einem Kunden, seine Tochter sei nach Hause gekommen und habe gefragt: «Papa, was machst du in deiner Firma für die Umwelt?». Das war der Grund, weshalb sie unsere Dienstleistung in Anspruch nahmen !