Vorsorgeforum 2025 am IMD Lausanne: Schweizer Pensionskassen vor der Herausforderung des Risikos

Anlässlich der 6. Ausgabe des von Le Temps organisierten Vorsorgeforums war die Frage des Risikoverhaltens der Pensionskassen Teil der Debatten am Vormittag.

An der Podiumsdiskussion mit dem Titel «Sind die Schweizer Pensionskassen zu zurückhaltend?» nahmen Christian Waldvogel, Managing Partner von Renaissance, Marc Fournier, stellvertretender Generaldirektor von Pittet Associés, und Diego Braguglia, geschäftsführender Gesellschafter von VI Partners, teil. Für Renaissance war dies eine Gelegenheit, seinen Anlageansatz und seine 25-jährige Erfahrung mit Schweizer KMU vorzustellen.

Pensionskassen sind weniger zurückhaltend als man denkt

Die Debatte hat gezeigt, dass das Etikett „zurückhaltend”, das den Pensionskassen angeheftet wird, nicht mehr wirklich der Realität entspricht. Wie Marc Fournier betonte, „ist der Aktienanteil in den Portfolios von 10–15 % vor dreissig Jahren auf heute über 30 % gestiegen. Darüber hinaus weisen laut der Aufsichtsbehörde 84 % der SchweizerPensionskassen ein hohes Risikoprofil auf.» Mit anderen Worten: Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen mussten sich die Pensionskassen von traditionellen Anlagen abwenden, um anderswo Renditen zu erzielen. Das Ergebnis: Sie sind heute stärker den Finanzmärkten ausgesetzt als in der Vergangenheit.

Diese Dynamik geht jedoch mit neuen Spannungen einher. Der Wettbewerb zwischen den Stiftungen veranlasst einige dazu, ihren Versicherten höhere Renditen anzubieten, was sie dazu führt, grössere Risiken einzugehen. „Daher ist ein Gleichgewicht zwischen Performance und Governance erforderlich“, betonte Christian Waldvogel nachdrücklich.

Die rund 300 Teilnehmer, die aufgefordert wurden, an einer Live-Umfrage teilzunehmen, bestätigten diesen Trend: Auf die Frage „Beobachten Sie auch eine erhöhte Risikobereitschaft der Pensionskassen?antworteten 126 mit Ja und 56 mit Nein.

Der Ansatz von Renaissance: Umschwung hin zu reifen KMU

Vor diesem Hintergrund vertrat Christian Waldvogel eine differenzierte Position. Ja, Pensionskassen müssen Renditen erzielen, aber klassisches Risikokapital ist nicht der geeignetste Weg, um ihre Hauptaufgabe zu erfüllen, nämlich stabile Renten zu garantieren. Dieser Markt ist zu volatil und zu konzentriert und setzt mittelgrosse Institutionen Schwankungen aus, die mit ihren langfristigen Verpflichtungen kaum vereinbar sind.

Für Renaissance liegt die Lösung in einem anderen Segment: den sogenannten «reifen» Schweizer KMU, die seit 50 bis 70 Jahren bestehen und zwischen 50 und 250 Mitarbeitende beschäftigen. «Etwa 10’000 Unternehmen fallen in diese Kategorie, und fast die Hälfte davon steht vor einem Nachfolgeproblem. Der Bedarf an Fremdfinanzierung wird auf 800 bis 900 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Diese Unternehmen sind aufgrund ihrer operativen Solidität und ihrer bewährten Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen, insbesondere dem starken Franken oder der Pandemie, attraktiv», betonte Christian Waldvogel. All diese Argumente machen sie zu einer glaubwürdigen Anlageklasse für Pensionskassen.

Komplementäre Visionen

Die Äusserungen von Marc Fournier untermauern diesen Ansatz. Indem er aufzeigt, dass die Kassen ihr Risiko bereits erhöht haben, betont er, wie wichtig es ist, diese Energie auf Anlagen zu lenken, die im Einklang mit ihrer vorrangigen Verantwortung stehen, nämlich die Gewährleistung stabiler Renten für ihre Versicherten.

Die von Renaissance vertretene Option entspricht genau diesem Bedarf: die Renditeerwartungen auf weniger volatile Anlagen zu lenken, die jedoch für die Volkswirtschaft wertvoll und für die Versicherten sicher sind.


Artikel erschienen in Le Temps

> Wenn Sie klicken, gelangen Sie zum Artikel, der am 10. September 2025 in Le Temps auf Französisch erschienen ist.

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