Renaissance im Journal des arts et métiers: „Schweizer Kapital für Schweizer KMU“

Renaissance im Journal des arts et métiers: „Schweizer Kapital für Schweizer KMU“

In der März-Ausgabe des Journal des arts et métiers äusserte sich Christian Waldvogel, geschäftsführender Partner von Renaissance, über die kürzlich erfolgte Übernahme der Heberlein Technology AG.

In diesem Interview geht er auch auf die Aktivitäten der Renaissance Anlagestiftung als bevorzugter Finanzpartner für Nachfolgelösungen ein.

Freie Übersetzung des Artikels von François Othenin-Girard, der in der März-Ausgabe des Journal des arts et métiers erschienen ist.

Das letzte Mal, dass wir von der Renaissance Anlagestiftung gehört haben, war im Jahr 2021. Die Anlagestiftung Renaissance hatte gerade die Canplast SA in Villars-Sainte-Croix übernommen, ein KMU, dessen Gründer wir vor einigen Jahren porträtiert hatten.

Renaissance hat seither mehrere Akquisitionen getätigt. Wir sprechen heute mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Christian Waldvogel.

  

Christian Waldvogel, wie viele Beteiligungen hält Ihre Anlagestiftung und in welchen Branchen sind diese tätig?

Christian Waldvogel :In den letzten drei Jahren hat die Renaissance Anlagestiftung ihr Beteiligungsportfolio stark erweitert und sechs neue KMU in der Westschweiz und der Deutschschweiz erworben. Derzeit halten wir 14 KMU, alle in der Schweiz, mit einem Gesamtwert von über 300 Millionen Schweizer Franken.

Der Grossteil dieser Investitionen erfolgte im Rahmen von Unternehmensnachfolgen, bei denen die Eigentümerfamilie des Unternehmens keinen internen Nachfolger hatte, der bereit war, das Ruder zu übernehmen. In solchen Fällen kauft Renaissance das Unternehmen von der Eigentümerfamilie zurück und wird zum Hauptaktionär. Das Management investiert systematisch mit Renaissance mit und wird so zum Aktionär ihres eigenen Unternehmens.

Das Portfolio ist äusserst diversifiziert: Uhrenindustrie, Wassermanagement/Infrastruktur, MedTech, Energie, Robotik, Industrie und Marketing. Wir entwickeln gezielt ein branchenübergreifendes Portfolio, um die notwendige Diversifikation zu erreichen und eine Überbelastung in einem Sektor zu vermeiden. Es handelt sich um mittelständische Unternehmen, die in der Regel zwischen 50 und 100 Mitarbeiter beschäftigen.

 

Sie haben gerade das Unternehmen Heberlein Technology AG übernommen, das in chinesischer Hand war. Was können Sie uns über die Geschichte dieses Unternehmens erzählen?

Christian Waldvogel:

Heberlein wurde im September 2023 übernommen und war tatsächlich zuvor im Besitz einer chinesischen Gruppe. Wir halten die Mehrheit der Anteile, aber auch das Management ist investiert, ebenso wie ein Branchenkenner, der als Mitglieder im Verwaltungsrat tätig ist.

Heberlein ist ein Vorzeigeunternehmen der Textilindustrie, gegründet im Jahr 1835 und mit fast 200 Jahren Geschichte. Es befindet sich im Herzen der Schweizer Textilindustrie in Wattwil im Kanton St. Gallen.

Heberlein stellt Komponenten für Textilproduktionsmaschinen her, von denen mehr als 80 % exportiert werden, insbesondere in asiatische Märkte. Es ist in etwa so wie „Intel Inside“ für Maschinen in der Textilindustrie.

 

Was hat bei Ihrer Entscheidung, das Unternehmen zu übernehmen, den Ausschlag gegeben?

Christian Waldvogel:

Wir suchen nach KMU, die in Nischenmärkten führend sind, sei es auf internationaler, regionaler oder nationaler Ebene. Aufgrund ihrer ausgezeichneten finanziellen Ergebnisse in der Vergangenheit haben diese KMU bewiesen, dass sie in der Lage sind Dividenden für ihre Aktionäre zu generieren und in wirtschaftlich schwierigen und volatilen Zeiten widerstandsfähig zu sein.

Aber das Wichtigste bei unserer Auswahl ist das Management des Unternehmens und ihre Mitarbeiter. Wir suchen ein starkes Engagement der Geschäftsleitung für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens neben Renaissance. Zu diesem Zweck stellen wir sicher, dass das Management ebenfalls investiert ist, um langfristig eine Übereinstimmung unserer Interessen mit denen des Managements zu gewährleisten und vor allem dem Management die Möglichkeit zu geben, finanziell von den Dividenden zu profitieren, die das Unternehmen generiert.

 

Die Renaissance Anlagestiftung positioniert sich als nachhaltiger Finanzpartner. Welche Bedingungen stellen Sie für die Übernahme eines KMU?

Christian Waldvogel:

Wir sind in zweierlei Hinsicht „nachhaltig“: Erstens ermöglicht uns unser sogenanntes „Evergreen“ Modell, unsere KMU ohne zeitliche Begrenzung zu halten und ohne die Verpflichtung, unsere Beteiligungen verkaufen zu müssen. Diese „Evergreen“ Eigenschaft unterscheidet uns grundlegend von unseren Mitbewerbern, die ihre Beteiligungen bereits nach 4 bis 5 Jahre wieder verkaufen müssen, was zu einer Aktieninstabilität führen kann und ernsthafte Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden haben kann.

Zweitens basiert unser Nachhaltigkeitsprogramm darauf, in jedem unserer KMU eine Umwelt-, Sozial- und Governance-Bilanz (ESG) sowie eine CO2-Bilanz einzuführen. Diese ESG- und CO2-Bilanzen ermöglichen es uns, konkrete Verbesserungsmassnahmen zu identifizieren und die erzielten Fortschritte zu quantifizieren.

 

Eine Pandemie, Krieg und viele weitere Herausforderungen bringen Unternehmen in gewisse Schwierigkeiten. Wie gehen Sie mit all diesen Veränderungen um mit Ihrem Ansatz?

Christian Waldvogel:

Seit über 20 Jahren investieren wir in Schweizer KMU. Bei jeder neuen Wirtschaftskrise bin ich immer wieder beeindruckt von ihrer Widerstandsfähigkeit und wie sie es schaffen, in diesen schwierigen Zeiten ihre Effizienz zu optimieren.

Während der COVID-Krise wurde die Digitalisierung von KMU erheblich vorangetrieben. Ein Beispiel hierfür ist die weit verbreitete Nutzung von Telefonkonferenzen als äusserst effizientes Arbeitsinstrument. Auf diese Weise konnten stark exportorientierte Schweizer KMU ihre Kundenbeziehungen optimieren, indem sie vermehrt auf Telefonkonferenzen setzten, anstatt teure und CO2-intensive Auslandsreisen für ihre Verkäufer durchzuführen.

Wem gehört Renaissance KMU und was sind ihre langfristigen Ziele?

Christian Waldvogel:

Wir sind privilegiert, ca. 45 Schweizer Pensionskassen zu unseren Investoren zählen zu dürfen. Diese Pensionskassen stellen uns Kapital zur Verfügung, das wir in Schweizer KMU investieren, um Nachfolgeprobleme zu lösen. Dabei verwenden wir ausschliesslich Schweizer Kapital für Schweizer KMU.

Somit gehört die Renaissance KMU eigentlich den Schweizer Pensionskassen.

 

Planen Sie internationale Übernahmen?

Christian Waldvogel:

Nein, denn gemäss den Statuten von Renaissance investieren wir nur in die Schweiz.

Mit 10’0000 Schweizer KMU zwischen 50 und 250 Mitarbeitern, von denen eine bedeutende Anzahl der Eigentümer bald das Rentenalter erreicht, sind wir überzeugt, dass es genügend Möglichkeiten für Übernahmen in der Schweiz gibt.

Der Markt für Schweizer KMU hat spezifische Eigenschaften, die man kennen muss, um erfolgreich zu sein. Durch unsere 20-jährige Tätigkeit auf diesem Markt haben wir umfangreiche Erfahrungen gesammelt und eine gewisse Bekanntheit erlangt. Dies ermöglicht es uns, interessante Nachfolgefälle zu prüfen. Daher bevorzugen wir es, uns auf den nationalen Markt zu konzentrieren und unsere Ressourcen nicht im Ausland zu streuen.

Wie sehen Sie den Nachfolgemarkt in der Westschweiz angesichts der sich abzeichnenden Rezession? Sind Fusionen zu erwarten?

Christian Waldvogel:

Wir bemerken definitiv eine Verlangsamung. Jedoch betrachten wir dies eher als eine leichte „Abschwächung“ nach mehreren Jahren starker Fortschritte für viele Schweizer KMU nach dem Ende von COVID.

Wenn sich diese Verlangsamung verstärken sollte, würden die Ergebnisse der KMU darunter leiden und es könnte sein, dass die Eigentümer beschliessen, die Suche nach einem Nachfolger zu verschieben. Ein solcher Aufschub ist jedoch manchmal nicht möglich.

In jedem Fall sollte diese Verlangsamung das Tempo von Fusionen nicht beschleunigen, ganz im Gegenteil. In wirtschaftlichen Abschwungphasen neigen KMU eher dazu, sich auf sich selbst zu konzentrieren, um sich auf die Bewältigung der Krise vorzubereiten. Fusionen oder andere Formen des externen Wachstums stehen nicht wirklich auf der Tagesordnung.